Werkzeugbau-Institut Südwestfalen am 16. November 2017

Der 4. Vordenkerkreis fand in Kooperation mit der Firma Escha und dem Werkzeugbau-Institut Südwestfalen am 16. November 2017 in Halver statt. Die Vordenker wurden zunächst von Herrn Olaf Schmidt, Werkzeugbau-Institut Südwestfalen, und Herrn Dr. Stefan Becker, EVOMECS GmbH, begrüßt.

Zu Beginn teilte Martin Becker, Geschäftsführer der Dast GmbH und Vordenker der ersten Stunde, den Vordenkern seine Erfahrungen zu den aktuellen Problemen der Werkzeug- und Formenbauer Branche mit. Als Mitglied im VDWF, Partner des Kooperationszusammenschlusses VoKoo und als Geschäftsführer sammelt er tagtäglich einschlägige Erfahrungen. Dabei wurden interne Probleme wie die Eigenverantwortung der Mitarbeiter, die Prozesskapselung und auch das fehlende Vertrauen der Geschäftsführung zu Mitarbeitern angesprochen. Bezugnehmend auf den Geschäftsführer wurde deutlich, dass dieser zu viele Rollen im Betrieb innehat und sein operatives Mitwirken zu aufwendig ist. Aber auch externe Probleme wie der demographische Wandel, die steigenden Löhne aufgrund des Fachkräftemangels, die erhöhte Kundennachfrage und die Lieferzeiten wurden identifiziert.

Im zweiten Impulsvortrag “Ein Betrieb im höchstmöglichen Grad der Automation” erläuterte Herr Dr. Stefan Becker, wie den beschriebenen Problemstellungen durch das Potential von Automationssystemen innerhalb der nächsten 5 Jahre begegnet werden kann.

In der Konstruktion, sowie auch in allen anderen Bereichen der Prozesskette werden wiederkehrende Aufgaben nicht mehr durch die Fachkraft erledigt sondern vom System übernommen. Der Programmierer wählt beispielsweise aus einem Pool von Fertigungsstrategien aus und justiert das ausgewählte Programm nach, anstatt es selbst zu schreiben. Mit Hilfe einer Virtual Reality Brille wird sowohl die Fertigung, als auch die Qualitätssicherung unterstützt und verbessert. Ebenso werden in der Fertigung Maschinencrashes minimiert und der Facharbeiter mittels selbstfahrender Robotern unterstützt. Aufgrund der Echtzeitdaten und der durchgängig simulierten Fertigung wird die Qualität der Fertigungsplanung steigen.

Aufbauend auf die mögliche Zukunftsform “Der höchste Grad an Automation” arbeiteten die Vordenker nun in Gruppen an dem Szenario: „Der eigene Betrieb hat den größtmöglichen Grad der Automation erreicht.“ Dabei fokussierten die Gruppen folgende drei Themengebiete:

  • Geschäftsführung/Managementstrukturen
  • CAM-Programmierung
  • Arbeitsvorbereitung

Inhaltlich erarbeiteten die Gruppen, inwiefern sich diese Bereiche verändern, wenn der Betrieb den größtmöglichen Grad der Automation erreicht hat.

Im Mittelpunkt der Gruppe “Geschäftsführung/Managementstrukturen” standen Veränderungen der Arbeitszeiten, des Vertriebs, der Positionierung im Markt, des Führungsstils, des Geschäftsmodells und der Ausbildung/Weiterbildung der Mitarbeiter. Mit Blick auf die aktuellen Problemstellungen beschrieb die Gruppe folgende Tätigkeitsfelder des Geschäftsführers: eigene Weiterentwicklung, Networking, Steuerung der Führungskultur, Vision/Strategie und Unternehmensentwicklung.

Im Bereich der Programmierung muss die Qualifikation des Personals mindestens so hoch sein wie heute. Die Maschinenauswahl wird weder durch die Arbeitsvorbereitung, noch durch die Programmierung erfolgen. Die Programmierer werden in Zukunft Strategien entwickeln, auf die ein Algorithmus zugreift und eine Vorauswahl trifft. Das bedeutet für den Programmierer, dass er die Vorschläge beurteilt und gegebenenfalls Systemvorschläge verbessert. Die Vordenker prognostizieren die Abschaffung der Schichtarbeit aufgrund der steigenden Flexibilität. Zudem erwarten sie folgende zwei Aufgabengebiete des Programmierers: Validierung (operative Tätigkeiten) und Entwicklung (nicht-operative Tätigkeiten). Die Bezahlung wird über eine Stabstelle laufen, da dadurch Boni besser bezahlt werden können.

Die Gruppe der “Arbeitsvorbereitung” sieht zukünftig eine noch engere Verknüpfung zwischen Konstruktion, Produktion, Projektleitung, Vertrieb, Kunde und Beschaffung. Als Basis wird hier eine Wissensdatenbank von Nöten sein, um fortlaufend Fertigungsverfahren, Grenzen, Kosten und Lösungsansätze festzuhalten. Projekte werden mit Hilfe von Meilensteinen gesteuert.

Abschließend präsentierten die Arbeitsgruppen, die zuvor beschriebenen Ergebnisse, allen Teilnehmern des Vordenkerkreises. Gegen Ende des Tages bot sich bei einem herzhaften Buffet mit feinsten lokalen Spezialitäten die Gelegenheit, Themen und Bekanntschaften weiter zu vertiefen.

Voller Vorfreude blicken wir auf den 5. Vordenkerkreis am 19.04.2018.